Mittwoch, 2. August 2017

Polenta auf Mirabellenspiegel

Ich höre die Blinden schon wieder von der Farbe reden. Iiiiiiih Polenta, das schmeckt wie Isomaterial auf dem Bau und noch nie mochten sie das und das ganze dumme Gequatsche, lalalala. Eigentlich kennen alle Polenta nur pikant und nicht süß und gescheit gemacht, kennen es noch weniger, also wenn man keine Ahnung hat...



Zutaten:

150 Gramm Maisgrieß
600 Milliliter Milch
3  Esslöffel Zucker
20 Gramm Butter für Polentamasse PLUS  zum Ausstreichen der Form und zum Ausbacken
Tonka oder Vanille
Weizenmehl zum Bestäuben
2 Eier
Puderzucker
Zimt- und Zuckermischung


Soße:

500 Gramm Mirabellen
Zucker nach Geschmack
150 Milliliter Cinzano arancia, oder, oder

Ich habe auch immer angenommen keine Polenta zu mögen und habe mich beim "Perfekten Dinner" dann bei der Gewinnerin der Wochenrunde eines Besseren belehren lassen. Da ging mir beim Lesen des Menüs genau der gleiche Film durch den Kopf, ach du Scheiße, Polenta.... das hat mir gerade noch gefehlt. Wie bei den meisten Dingen, kommt es immer auf ein positives Erlebnis mit einem Gericht an, um es zu mögen. Wenn Polenta mit Liebe und mit ordentlicher Ausrichtung in Richtung pikant, oder süß gemacht wird und anschließend noch ein paar Röstaromen bekommt, dann ist das sensationell lecker. Schiebt Eure Abneigung nicht auf das Produkt, sondern die Nasen, die Euch das bisher immer nur schlecht zubereitet haben. 


150 Gramm Polenta abwiegen


600 Milliliter Milch in einen Topf geben.


3 Esslöffel Zucker


Lesen hier Asis mit? Die können weiter Vanillezucker nehmen. Besserverdiener können eine Vanillestange verwenden. Ich habe gerade einen Vorrat an Tonkabohnen, den ich statt Vanille verwende. Einfach mit der Reibe Tonka in den Topf reiben. Hat geschmacklich den Effekt wie Vanille. Ich warte im Moment echt auf fallende Preise bei Vanille, dann freue mich umso mehr, wenn es mal wieder welche gibt. 


Ihr könnt schon mal den Topf unter Volldampf setzen, die Milch soll ja kochen. 


20 Gramm Butter in die Milch geben. 


Es ist so wie immer. Wenn es Fett hat, dann schmeckt es auch. 


Die Milch immer umrühren, damit nichts am Topfboden anbrennt.


Ich habe eine kleine Ofenform, die ist ungefähr 25 x 20 cm groß. Die streiche ich mit Butter aus, damit sich die Polentamasse später wieder besser aus der Form lösen lässt, wenn sie ausgekühlt ist. 


Hier die ausgestrichene Form


Milch in Bewegung halten


Wenn die Milch kocht und Blasen schlägt, runter mit der Temperatur auf Minimum



Maisgrieß unter ständigem Rühren zur Milch geben.


Immer weiter rühren und den Maisgrieß quellen lassen


Man kann echt dabei zuschauen, wie die Masse immer dicker wird und immer gelber


Dann kommt als nächster Zwischenstatus der Festigkeitsgrad Tapetenkleister


Bevor wir beim finalen Grad frischer Zement landen


Wenn die Masse so fest ist, dann wird sie in die Form gekippt und möglichst glatt verstrichen.


Hier ist die Polentamasse in der Form


Jetzt ist sie leidlich glatt gestrichen. 


Auf Raumtemperatur abkühlen lassen und dann mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Das kann man auch schon am Vortag machen, lässt sich also gut vorbereiten.


Jetzt sind wir eine Stunde später. In der Zwischenzeit hat mein Sohn (3) sich die Kamera genommen und fragte so beiläufig, Papa wo geht die Kamera an. Dass er mir den Aufnahmemodus verstellt hat, ist mir gar nicht aufgefallen, deswegen sind die kommenden Bilder recht dunkel und trüb. 


Die erkaltete Polentamasse löst sich dank der Butter gut aus der Form. 



Stücke in der gewünschten Größe schneiden 


Polentastücke in Mehl wenden


Zwei Eier aufschlagen


Eier verrühren


Butter in der Pfanne erhitzen


Die bemehlten Polentastücke ins Ei geben


Wenn die Butter heiß ist, die Polentastücke in die Pfanne legen.


Pfanne auf mittlere Hitze runterdrehen, damit die Polenta von außen nicht schon schwarz wird, während sie drinnen noch eiskalt ist.


Je nach Herd zwischen zwei und drei Minuten pro Seite ausbacken (nur oben und unten, nicht alle 6 Seiten)


Weil die Bilder der fertigen Polenta so scheiße waren, dass ich daraus unmöglich ein Titelfoto machen konnte, habe ich das am nächsten Tag noch mal für Euch zubereitet und noch mal nachgelegt. Ich hatte erst nur frisches Obst dazu auf den Teller gelegt, aber nun (Sonntag) war ich schon Mirabellen pflücken und habe daraus eine passende Soße gemacht. Die hätte ich Euch auch schon weiter vorne zeigen können, aber dann hätte das mit den dunklen Bildern keinen Sinn für Euch ergeben, wieso die Soße in so vernünftigen Farben ist, und der Rest dunkel wie in einem Fassbinder Film. Ihr dürft ruhig wissen, dass ich auch mal mehrere Anläufe nehme, damit Ihr was zu sehen bekommt.


Mirabellen entsteinen


Mirabellen zuckern


Welchen Alkohol Ihr nehmt ist eigentlich egal, zur Not tut es auch Wasser, aber ich habe gerade so einen Blindmacher für meine Frau gekauft, weil ich dachte wer Aperol Spritz mag, der trinkt auch so ein abstruses Zeug. 


Einen ordentlichen Schuss von Wasauchimmer zu den Mirabellen geben. 


Aufkochen lassen und wenn die Mirabellen nach circa zehn Minuten weich sind, mit dem Pürierstab zerkleinern und einkochen lassen


Wer keine Zeit hat, dickt mit Speisestärke an. Ich habe wie immer Zeit.


Jetzt geht es ans Anrichten.


Einen Fruchtspiegel auslegen


Polenta aufsetzen, mit Zimt und Zucker bestreuen


Noch ein bisschen Puderzucker und dann als optischen Anreiz ein bisschen Grünkraut. Bei mir ist das Zitronenmelisse. 


Das ist verdammt gut und danach sagt keiner mehr, iiiih Polenta, sondern überlegt sich, wann es schon mal so einen leckeren Nachtisch gab. 


Wenn das lauwarm ist, entwickelt es den schönsten Geschmack und hat eine angenehme Konsistenz. Der Fruchtspiegel ist dazu sensationell. Falls Ihr ein Restaurant findet, wo es sowas genau so frisch gibt und wo keine der Komponenten aus der Packung kommen, könnt Ihr da öfter mal hingehen und nicht vergessen, einen Blick auf den Kassenbon zu werfen. Ich habe letztens bei so nem echten In Italiener in Charlottenburg, für einen total aus gekauften Zutaten gebastelten Nachtischteller  € 10,50 Kosten verursacht (sprich, ich habe das gottseidank nicht selbst zahlen müssen, weil es ein Geschäftsessen war). Sowas ärgert mich echt, wieso es echte Köche nicht machen, wenn ich das als Laie kann. Genießen geht jedenfalls genau so und nicht anders.


Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.


Kommentare:

  1. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen................ Gibt's am Wochenende. Danke für dieses Rezept!
    Grüsse

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    1. das ist eine gute entscheidung. viel spaß

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  2. Mir gefällt das Rezept und besonders der Text. Endlich mal einer, der Deutsch kann und auch noch Humor hat. Ist leider selten. By the way, Du hast ja wirklich eine Glatze, sehe ich gerade ...
    viele Grüße aus dem Südsüdwesten

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    1. hallo uli, das wäre echt ein ganz doofer name für den blog, wenn ich dann noch haare hätte ;-).

      freut mich sehr, wenn dir das rezept gefällt. es gibt noch 1400 andere im blog und jeden abend um mitternacht herum ein neues.

      schönen gruß
      jörg

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